Kampfkunst und Philosophie

Im Ninjutsu geht es darum sich geschickt zu bewegen, bescheiden zu bleiben, den rechten Augenblick abzuwarten, zu spüren, Ruhe zu bewahren und formlos zu sein. Was das wirklich bedeutet, lässt sich nur durch Erfahrung begreifen.

"Wahrlich siegt, wer nicht kämpft"

Durch Gewalt erlangt man keinen Frieden. Gewalt anwenden, bedeutet andere zu unterdrücken. Gewinnt man einen Kampf oder einen Krieg mit Gewalt, erntet man keinen Frieden, sondern Zerstörung und gedemütigte Verlierer (= Feinde).

Nur wer einen Konflikt löst ohne zu kämpfen, kann Frieden herbeiführen. Kampf bedeutet nicht, nichts tun oder sich alles gefallen zu lassen. Es gibt untersciedliche Arten zu kämpfen - für etwas oder gegen etwas.

Wer Kampf in sich trägt, wird auch dazu neigen in einem Konflikt mit anderen Menschen zu kämpfen. Gibt es einen Kampf, gibt es immer Gewinner und Verlierer. Meistens kommt keiner ohne Schaden davon. Es kann dabei körperliche und psychische Schäden geben.

Der spirituelle Weg der Kampfkunst ist es, Kampfkunst zu erlernen, um die Kämpfe im Inneren zu heilen. So bekommt man inneren Frieden und kann auch äußeren Frieden schaffen.

Der friedvolle, spirituelle Krieger hat in seiner Außenwelt immer weniger Kämpfe auszutragen, denn er befriedet sein Herz und gelangt dadurch zur Erleuchtung. Wenn es aber wichtig ist und unvermeidlich für Gerechtigkeit zu kämpfen, dann wird er es tun.

Die höchste Kunst der Kampfkunst ist es, Konflikte zu lösen, ohne zu kämpfen.

"Angriff ist die beste Verteidigung?"

Nun genau genommen ist ein Angriff eine Flucht nach vorne, die genutzt wird, wenn eine Flucht nach hinten nicht möglich ist oder scheint. Eine Flucht ist immer eine Reaktion auf eine Bedrohung, egal ob begründet oder unbegründet. Das heißt, wer angreift, reagiert immer aus einer Angst heraus.

Was ist nun aber, wenn man vor jemandem Angst hat, es aber keinen tatsächlichen, neutral ersichtlichen Grund gibt Angst zu haben?

Ist es dann sinnvoll einfach prophylaktisch mal anzugreifen, auch wenn sich danach herausstellt, dass es gar nicht nötig gewesen wäre?

Die vier Elemente im Ninjutsu und das unsichtbare fünfte Element

Im Ninjutsu trainieren wir Kampfkunst, um unsere inneren Kämpfe zu heilen. Damit wird ein äußerer Konflikt nicht zu einem Kampf, sondern um eine Herausforderung, die eine Lösungsstrategie erfordert.

Die vier Elemente sind Erde, Wasser, Feuer, Luft. Kampfkuntsbewegungen lassen sich den vier Elementen zuordnen. Ein frontaler Angriff, aggressiv nach vorne gerichtet, ist z.B. das Element Feuer. Ein Kämpfer, der keinen Widerstand bietet, keine Angriffsfläche, sanft die angreifenden Kräfte aufnimmt und geballt dem Empfänger zurückgibt, beherrscht das Element Wasser. Erde steht stark verwurzelt und ist sehr kräftig. Luft ist nicht leicht zu greifen.

Das geheime Element ist die Leere. Sie ist alles und nichts und wandelt sich ständig und doch nicht.

Kampf aus Angst oder Kampf aus Liebe?

Ist die Motivation für einen Kampf eine Angst, ist der Kampf immer destruktiv. Wenn man vor etwas Angst hat, möchte man sich davor schützen. Man möchte es weg haben, krass ausgedrückt abtöten. Kämpft man aus Angst, steht das dahinter.

Ein Kampf aus Liebe ist es, wenn du für dich sorgst. Wenn du zu dir stehst und zu deinen Freunden und zu deiner Familie. Es geht darum das Leben zu verteidigen, wenn es angegriffen wird. Es geht darum für das Beste für alle Beteiligten einzustehen. Wenn du siehst, dass jemand gemobbt wird, wenn deine Tochter verprügelt wird, wenn du krank bist, wenn dich jemand unterdrücken möchte, ist es wichtig zu kämpfen. Nicht aus Angst, sondern aus Liebe.

Ein fiktives Gespräch zum Nachdenken

Lehrer: Ich bin kein Kämpfer, sondern ein spiritueller Krieger.

Schüler: Krieger und Kämpfer ist doch das gleiche.

Lehrer: Nein. Ich kämpfe nicht. Ich bemühe mich dafür zu sorgen, dass die Gerechtigkeit siegt, ohne dass ein Kampf stattfindet.

Schüler: Ja, aber wenn ich dich jetzt einfach mit meiner Faust angreife, was machst du dann?

Lehrer: Das wirst du nicht tun, denn sonst hättest du es schon getan. Außerdem bist du mein Schüler und wie ich dich kenne, möchtest du sicherlich noch weiterhin von mir lernen. Wir haben also eine Schüler-Lehrer-Beziehung und da ist Respekt ganz wichtig. Respekt bedeutet auch, dass man nicht einfach hingeht und seinen Lehrer mit der Faust angreift, ohne, dass er dazu vom Lehrer zu Trainingszwecken aufgefordert wurde.

Schüler: Das heißt du würdest nicht kämpfen, wenn ich dich jetzt angreife?

Lehrer: Erstens vertraue ich dir, dass du mich nicht verletzen möchtest. Zweitens würde ich auch dann nicht kämpfen, wenn du mich wirklich hart treffen wolltest.

Schüler: Das heißt, du würdest dich von mir verprügeln lassen, nur weil ich dein Schüler bin.

Lehrer: Das habe ich nicht gesagt. Ich sagte, ich würde nicht gegen dich kämpfen. Ich lebe mein Leben so, dass ich mir keine Feinde mache. So habe ich ein angenehmens Leben. Wenn Menschen auf die Idee kommen, mich trotzdem zu ihrem Feind zu machen, schaue ich, wie ich strategisch vorgehe und nehme meinen Feinden so schnell wie möglich den Wind aus den Segeln, so dass es zu keinem Kampf kommt. Denn bei einem Kampf gibt es immer einen Schaden. Und den möchte ich vermeiden.

Schüler: Ja, aber nehmen wir mal an, ich würde dir mal auflauern und dich angreifen, was wäre dann? Würdest du dann mit mir kämpfen?

Lehrer: Nein. Ich würde dir schonend beibringen, dass ein Kampf mit mir nicht möglich ist. Du kannst dich mit mir austauschen, aber nicht gegen mich kämpfen. Das wirst du dann schnell begreifen. Wenn du schlau bist, bemerkst du dann, dass der Kampf den du gegen mich führen möchtest, ein Kampf ist, der in dir stattfindet.

Aber jetzt verrate mir mal eins: Wieso bist du eigentlich so scharf darauf gegen mich zu kämpfen? Was habe ich dir angetan, dass du den Wunsch hast mich zu verprügeln?

Schüler: Will ich doch garnicht!

Lehrer: Siehst du? Das meine ich.


Geist, Ki und Körper in der Kampfkunst

Es gibt äußere Kampfkünste und es gibt innere Kampfkünste. Bei äußeren Kampfkünsten liegt der Fokus auf dem, was außen passiert. Man vergleicht die Kraft des Gegenübers mit der eigenen. Es gibt Wettkämpfe, um sich zu beweisen und es wird viel mit Muskelkraft und Abhärtung trainiert.

Beim Training von inneren Kampfkünsten geht es darum, dass man den Körper entspannt, ihn geschmeidig macht, damit das Ki, der Energiekörper, den physischen Körper gut durchdringen kann. Man richtet seine Aufmerksamkeit nach innen auf die inneren und übernatürlichen Kräfte und auf die Gesundheit.

So kann man nach und nach inmer mehr den physischen Körper über die Bewegung des Energiekörpers bewegen lernen. Also Bewegung nicht mit Muskelkraft, sondern mit Ki. Ki heißt übersetzt Lebensenergie.

Von unserem Geist, also von uns, kommt der Wille bzw. die Absicht, sich zu bewegen, zu reagieren oder zu agieren. Über das Ki wird unser Wille in die Form, den Körper, gebracht. Über das Ki kann aber auch unser inneres Kind, unser Körperbewusstsein, Bewegungen in den Körper bringen. So können wir körperlich umso intuitiver uns bewegen und reagieren, je besser das Ki in uns fließen kann bzw. je weicher unser Körper ist.

Sind der Energiekörper und der Körper eine Einheit, hat man mehr Präsenz und mehr innere Kraft. So braucht man weniger Muskelkraft. Den Energiekörper kann man stabil und fest machen, er kann aber auch fließend und formlos wie Wasser sein. Und wenn der Körper der Form des Energiekörpers folgen kann, weil er flexibel genug dafür ist, bekommen wir dadurch besondere Fähigkeiten. Das sind Fähigkeiten, die mit reiner Muskelkraft und Technik nicht möglich sind. Eine davon ist das Erspüren, wo die Energie hinfließt.

Je geschmeidiger unser Körper ist und je freier unser Ki sich im Körper bewegen kann, umso mehr können wir wahrnehmen, über den Körper, aber auch außersinnlich. Das ist eine weitere wichtge Fähigkeit bei der inneren, spirituellen Kampfkunst: Die außersinnliche Wahrnehmung.

Wir können bei dieser Arbeit auf unser Ki, das in uns ist, zugreifen. Zudem können wir aber noch andere Lebensenergien nutzen, um die übernatürlichen Phänomene zu verstärken. Wir können z.B. Reiki nutzen, aber auch die Energie aus der Luft oder von Mutter Erde. Die Luftenergie macht uns allgemein lebendiger. Die Erdenergie macht uns stabil und beständig. Reiki fördert alle lebendigen Prozesse in uns. Reiki ist die spirituelle Lebensenergie.

Meditation hilft dabei unseren Geist zu beruhigen. So ist das Ki in uns nicht ständig mit zu vielen Reizen aus unserem Geist überfordert und unsere Bewegungen können immer mehr ungefiltert von unserem Geist über das Ki in den Körper transportiert werden.

Unser Geist ist umnebelt von Dingen, die nichts mit uns zu tun haben. Sie verdecken die Klarheit, die Reinheit unseres Geistes. Je mehr wir diesen reinen, klaren Geist erkennen, umso formloser können wir sein, denn unser Geist ist ebenso formlos. Die Meditation befreit unseren Geist, da wir zur Ruhe kommen und erkennen, wer wir im Grunde sind.

In der Formlosigkeit ist das Potential für alle Formen enthalten. Bringen wir intuitive, flexible Bewegungskonzepte des Körpers mit dem Geist über das Ki zusammen, sind wir unberechenbar, wir kämpfen nicht, wir spielen (mit Lebensenergien).

 

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